Impulse und Gedanken

An dieser Stelle finden Sie Gebete und Gedanken von Menschen aus unserem Dekanat.

Vielleicht finden Sie hier einen Gedanken, der Sie eine Weile begleiten kann, der Sie zu eigenen Gedanken und Gebeten anregt. Vielleicht möchten Sie selber ein Gebet oder einen kurzen Gedanken, der Ihnen weitergeholfen hat an dieser Stelle mit anderen teilen?

Dann senden Sie eine Mail mit Ihrem Namen an: angelika.domdey(ät)dekanat-bremerhaven.de

Wir versuchen Ihren Text zeitnah zu veröffentlichen.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, wenn Sie das heutige Evangelium lesen oder hören: Jesus betet. Jesus preist Gott dafür, dass den Unmündigen seine Offenbarung zu teil wurde. Er spricht davon, dass ihm alles vom „Vater übergeben wurde“ und dass nur der den Vater kennt, dem es „der Sohn offenbaren will“.

In meinen Ohren klingt das überheblich. Warum stellt er sich hier scheinbar so in den Mittelpunkt. Jesus ist doch sonst eher derjenige, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

So richtig erschlossen haben sich mir diese Sätze erst, als ich das Evangelium im Zusammenhang gelesen habe, mit den Versen, die in Kapitel 11 bei Matthäus vorangehen.

Jesus ist sauer! Die Menschen haben schon Johannes in der Wüste predigen gehört und viele sind doch seinem Aufruf zur Umkehr nicht gefolgt. Jesus hat seine sog. Bergpredigt vor den Menschen gehalten und seinerseits zur Änderung der Lebensweise aufgerufen, um Gott zu folgen.

(Matthäus 5 und 6) Er hat Zeichen und Wunder getan, hat Menschen geheilt und Tote erweckt, so zu lesen bei Matthäus in Kapitel 9. Was er aber erleben muss, ist weiterhin Unglauben und Zweifel an seiner Person und seiner Lehre. Gerechtigkeit ist so schwer umzusetzen, wenn es heißt von meinem eigenen Reichtum abzugeben. Frieden stiften ist schwer, wenn ich doch überzeugt davon bin im Recht zu sein. Glauben ist leicht, aber wenn das bedeutet, mich aus meiner Komfortzone hinaus zu begeben, ziehe ich mich doch lieber zurück.

So hat Jesus trotz aller Zeichen und Wunder an vielen Orten nicht den Glauben unter den Menschen gefunden, den er verkündet und selbst in seinen Taten immer wieder vorgelebt hat.

So im Zusammenhang gelesen klingen Jesu Worte nicht mehr überheblich. Sie entspringen wohl eher einer tiefen Verzweiflung, dass schon all die Worte eines Johannes und seine eigenen nur bei wenigen – eben den eher Unmündigen – zu einer Änderung in ihrem Leben und Verhalten führen.

Und gerade denjenigen ruft er noch einmal – wie ich finde sehr einfühlsam - zu: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken. …ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.“

Ich frage mich: Finden die Menschen das heute bei uns in unseren Gemeinden und Kirchen?

Treten wir so auf, leben wir so, dass Menschen den Eindruck haben, dort kann ich Ruhe finden für meine Seele?

Mahnen uns die zuletzt veröffentlichten Austrittszahlen nicht, einmal genauer hinzuschauen?

Denken wir einen Moment darüber nach, wo wir und wie wir selbst etwas ändern können, damit jemand anderes Ruhe für seine/ihre Seele in meiner Nähe, in meiner Gemeinde, in meiner Kirche finden kann.

….

Ihnen wünsche ich, mögen Sie selbst dann und wann spüren: Jesu Worte erquicken auch mich in meinem Leben und schenken mir Ruhe für meine Seele!

Johannes

An dieser Stelle finden Sie mal wieder ein kleines Video. Aus gegebenem Anlass ist es ein Impuls zum Geburtstag Johannes des Täufers, den wir am 24. Juni in der Kirche gefeiert haben. Es ist der längste Tag des Jahres – Mittsommer - und das ist ganz sicher nicht zufällig so gewählt. Wie so oft in der Verkündigung geht es auch bei diesem Fest um Licht, um das Licht Gottes in der Welt.

12. Sonntag im Jahreskreis

Ach, Herr und Gott, ich kann doch nicht reden, ich bin ja noch so jung.

 

So antwortet der junge Jeremia auf Gottes Ruf.

Von ihm, aus dem Buch des Propheten Jeremia, stammen die drei Verse, die an diesem Sonntag für die erste Lesung im Gottesdienst bestimmt sind.

Jeremia wird von Gott im 7. Jahrhundert v. Chr., sehr jung, berufen; in einer Zeit, in der das Nordreich Israel bereits zerstört und das Südreich, Juda, vom Untergang bedroht ist. 587 v. Chr. wird Jerusalem dann erobert, der Tempel zerstört.

Es ist eine Zeit der Auseinandersetzungen unter den Völkern - warum kommt mir das so bekannt vor?!? - und der Bedrohungen. In dieser Zeit beruft Gott Jeremia „über Völker und Reiche; du sollst ausreißen und niederreißen, vernichten und zerstören, aufbauen und einpflanzen.“ (Jer 1, 9b)

Wahrlich nicht gerade ein Auftrag, der besonders attraktiv erscheint, wenn man das so hört. Jeremia klagt das abtrünnige Volk an, er verkündet Unheil. Kein Wunder, dass er mehrfach bedrängt, bedroht und auch eingesperrt wird.

Ziemlich zu Beginn des zweiten Buchdrittels – es gehört mit 52 Kapiteln zu den längsten Prophetenbüchern des AT – stehen die Verse der Lesung: Jeremia 20, 10-13.

Doch welch Qual Jeremia mit dem Auftrag Gottes erlebt, wird eigentlich erst eindrücklich deutlich, wenn man ab Vers 7 liest. Dort steht:

7 Du hast mich betört, o HERR, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt. Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag, ein jeder verhöhnt mich. 8 Ja, sooft ich rede, muss ich schreien, Gewalt und Unterdrückung! muss ich rufen. Denn das Wort des HERRN bringt mir den ganzen Tag nur Hohn und Spott.

 9 Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so brannte in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinen Gebeinen. Ich mühte mich, es auszuhalten, vermochte es aber nicht.

10 Ich hörte die Verleumdung der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze: Vielleicht lässt er sich betören, dass wir ihn überwältigen und an ihm Rache nehmen können.

11 Doch der HERR steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und können nicht überwältigen. Sie werden schmählich zuschanden, da sie nichts erreichen, in ewiger, unvergesslicher Schmach. 12 Aber der HERR der Heerscharen prüft den Gerechten, er sieht Nieren und Herz. Ich werde deine Vergeltung an ihnen sehen; denn dir habe ich meinen Rechtsstreit anvertraut. [1] 13 Singt dem HERRN, rühmt den HERRN; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter. (Einheitsübersetzung 2016)

 

Diese wenigen Verse von 7-13 zeigen in meinen Augen recht gut den Duktus des ganzen Buches. Die Last der Aufgabe, die Gott ihm übertragen hat, unter der Jeremia schwer niedergedrückt wird und doch auch das Feuer seiner Berufung. Es lässt ihn innerlich nicht los und treibt ihn immer weiter. Und letztlich ist es ja auch nicht nur eine Drohbotschaft, sondern auch der Aufruf an das Volk, sich nicht immer weiter von Gott abzuwenden und die Zusage, Gott wird am Ende sein Volk wieder sammeln und segnen.

Marc Chagall hat dies, wie ich finde, in seiner Darstellung des alt gewordenen Jeremia sehr schön eingefangen. Das Foto gibt das Bild wieder aus dem Katalog: Marc Chagall, Bilder zur Bibel, Kunst-Buch-Galerie Traudisch-Schröter, Wiehl 1992.

Die Autoren schreiben zu dem Bild (S.66):

„Mühselig und beladen steht er da, der empfindsame Prophet. Gramgebeugt. Schwer trägt er an der Last seines Amtes: Unheil zu verkünden. Neben ihm ein sanft blickender Esel, oder ist es ein Maultier? Flüchtet Jeremia gemeinsam mit anderen Juden aus dem besetzten Jerusalem nach Ägypten? Über ihm erhebt sich eine violettfarbene Wolke. Violett – Farbe der Trauer und der Buße. Violett, Farbe in der Rot und Blau miteinander ringen. Weist sie auf das Ringen von Jeremia zwischen Wunsch und Berufung, zwischen seinem Anliegen und seinem Auftrag?

Was trägt Jeremia mit sich? Nimmt er die Thorarolle mit auf die Flucht? Die Schrift, die die Erfüllung der Verheißung verspricht, die Trost spendet und Zuversicht weckt?

Das Gesicht des Propheten leuchtet gelb auf in der Finsternis. Gelb – im Chassidismus die Farbe des Messias. Kündet sein strahlendes Gesicht das neue Heilshandeln Gottes an?“

 

Jeremia.

Und ich?

 

Was ist mein Auftrag von Gott in dieser Zeit? Wozu bin ich berufen? Sage ich auch, ich bin doch zu jung? Suche ich Ausflüchte, um nicht offen für meinen Glauben einstehen zu müssen? Oder drückt mich die Last, meinen Auftrag, den ich spüre, und sei er noch so klein, zu erfüllen.

Werfen wir ruhig auch einen Blick, auf all das, was sich gerade so verändert hat in der Welt.

Was drückt mich in diesen so veränderten Zeiten nieder? Welche Last liegt auf meiner Schulter, auf meiner Seele?

Kann ich durch all dies hindurch noch das Licht Gottes, das mir entgegenstrahlt, entdecken? Die Hoffnung auf Zukunft, die Gott uns allen verheißen hat?

Und habe ich noch offene Augen und Ohren, die ganz kleinen Lichtblicke des Alltags wahrzunehmen, die mir auch in diesen Zeiten – vielleicht durch andere Menschen – begegnen? Es liegt an mir, mich selbst dafür immer wieder zu öffnen.

Möge das Licht Gottes – wie in dem Bild von Marc Chagall – in der kommenden Woche sich immer wieder auch in Ihrem Gesicht spiegeln!

Angelika Domdey, Dekanatspastoralreferentin

11. Sonntag im Jahreskreis

Das Evangelium vom 14. Juni (11. So im Jahreskreis) enthält einen Satz, der mir sehr vertraut ist und der mich – auch beim mehrfachen Lesen des Textes – nicht losgelassen hat.

Es ist der erste Satz aus dem Sonntagsevangelium:

„Als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen;

Denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.“

 

Wow – welch Satz, welch Vergleich! Und zugleich – je öfter ich ihn lese und versuche, ihn in die heutige Zeit hinein zu lesen, lässt er mich mit vielen Fragen nachdenklich zurück.

Ich nehme sie gerne mit auf diese meine Reise in dieses Evangelium!

 

Da sind für mich zunächst wieder einmal die Schafe:

Schafe sind - entgegen der oft abfälligen Bemerkung „dummes Schaf“ - keine dummen Tiere.

Schafe haben zumeist einen eigenen Namen und hören auf den Ruf des Hirten, wenn er ihren Namen ruft.

Zur Zeit der Bibel galten Schafe als wertvolle Tiere. So war und ist der Vergleich mit Menschen auch Ausdruck dafür, dass der Mensch wertvoll für Gott ist. Und wie ein Hirte kennt Gott eine jede und einen jeden mit Namen. Und ER ruft auch eine jede und einen jeden immer wieder bei ihrem/seinem Namen – können wir es hören, wahrnehmen; hören wir darauf?

 

Nun, die Menschen, die in großer Menge immer wieder sich um Jesus sammelten, sie waren wir Schafe, die keinen Hirten hatten.

Menschen ohne Orientierung, die zu müde, zu erschöpft von den Anstrengungen des Lebens waren, dass sie nicht wussten, wo es demnächst Nahrung geben würde, wo der nächste saftige Weide- oder Rastplatz sein würde für ihr Leben.

Von allein würden sie - wie auch Schafe - nicht finden, was sie so dringend benötigten.

Und Jesus hatte Mitleid mit ihnen, so lesen wir, d.h. wörtlich übersetzt: Es dreht ihm das Herz um.

Darum sendet er – wie wir ein paar Verse später erfahren - in seinem Auftrag die Jünger, damit sie allen verkünden mögen, das Himmelreich ist nahe.

 

Die Frage, die mich genau an dieser Stelle packt: Wer, welche Menschen sind es heute, die wie Schafe ohne Hirten*in sich erleben oder die wir so sehen?

Orientierungslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, nicht weiterwissen, etwas, das viele Menschen gerade auch in diesen Monaten der Coronakrise erleben. Kennen ich/ kennen wir sie? Wissen wir, wo sie leben? Sie scharen sich vermutlich eher nicht um uns.

 

Und eine weitere Frage stellt sich mir: Wo bzw. wer bin ich in der Geschichte?

Fühle ich mich immer – kraft Taufe und Firmung – bevollmächtigt, zu den verlorenen Schafen zu gehen und ihnen das Himmelreich zu verkünden?

Oder bin ich nicht selbst oft in der Situation, mich wie ein verlorenes Schaf zu fühlen? Ich suche nach Orientierung, bin müde, ausgelaugt und brauche selbst eine*n Hirten*in an meiner Seite, um wieder zur saftigen Weide in meinem Leben zu finden.

 

Geht es vielleicht gar nicht darum, dass ich immer nur das eine bin?

Einander Hirte*in sein – das spricht mich an. Akzeptieren, dass ich mal Suchende bin und mal die Orientierung Gebende. Mir eingestehen, dass ich nicht immer Hirtin bin, vielleicht auch, dass ich die verlorenen Schafe unserer Gesellschaft gar nicht (persönlich) kenne?

 

Was für mich zutiefst in diesem Bild verwurzelt ist:

Jesus war ganz für die Menschen da – es dreht ihm das Herz um, sie so zu sehen.

Die Jünger waren gesandt, zu den Menschen – ganz für sie dazu sein, Orientierung zu geben, sie taten dies kraft der Beauftragung durch Jesus – ihren Hirten. Und machten auch die Erfahrung, dass sie genau dieser Orientierung und Bestärkung durch Jesus immer wieder selbst auch bedurften.

 

Einander Hirt*in sein!

Das ist unser Auftrag – füreinander da sein: mal als Hirte*in vorangehend, führend, Sicherheit vermittelnd, aber mal bin und darf auch ich Schaf sein, das eine*n Hirten*in braucht, um wieder saftige Weiden zu finden.

Christ*in sein – heißt aufeinander acht zu geben, mal in der einen mal in der anderen Rolle.

Christ*sein heißt als Hirte*in achtsam und fragend unterwegs zu sein: Wo sind die Menschen, die müde und traurig sind, „drehen sie mein Herz“ um, dass ich versuchen kann ihnen Hirtin zu sein…?.

 

Und abschließend noch eine wichtige Erfahrung aus dem Leben einer echten Hirtin, die sich lohnt, auch übertragen gedacht zu werden:

 

„Eine Bereicherung war die Zeit auf der Alp trotzdem. Sie habe sich in dieser Einsamkeit sehr gut kennengelernt, … Sie habe gelernt, dass nicht alles in ihrer Hand liegt. Wenn ein Schaf Pause machen will, dann ruht es, und der Hirte ruht mit ihm. Du kannst noch so sehr erzwingen wollen, noch so sehr weiter drängen. Wenn ein Schaf nicht will, dann will es nicht. Vielleicht sei der Beruf deshalb für viele Menschen ein Traum, vor allem in der heutigen Zeit, wo alles schnell und vergänglich sei. Schafe sind und bleiben das Uhrwerk der Alp. Das Leben ordnet sich ihnen unter. Und die Hirtin gibt ihnen nach.“ (aus: https://www.nzz.ch/schweiz/schaeferausbildung-die-gute-hirtin-ld.83758, Neue Züricher Zeitung 22.05.2016)

 

Einen guten Sonntag und eine gute Woche – mal als Hirte*in, mal als Schaf ????- wünscht Ihnen,

Angelika Domdey, Pastoralreferentin

Pfingsten

Pfingsten ist das Fest, das gesellschaftlich die geringste Rolle spielt und auch von vielen inhaltlich nicht gefüllt werden kann. Für die Christen ist es nicht nur-kurzgefasst gesagt- der „Geburtstag der Kirche“.

Es ist das dynamischste aller Feste. Es führt uns immer wieder vor Augen, das Glauben, Christusnachfolge, Verkündigung etwas mit Bewegung und (Herzens-)Wärme zu tun hat. Die Heilige Geistkraft treibt uns bis heute an, den Glauben im Reden und im Tun weiter zu geben.

Stehen bleiben ist nicht! Zugleich ist es aber auch die Heiligen Geistkraft, in 7 Gaben beschrieben, die uns die Kraft, den Mut…dazu schenkt.

Schauen Sie selbst.

7. Sonntag der Osterzeit

Leben heißt auch Krisen bestehen

Wir haben gerade Christi Himmelfahrt gefeiert. In der Lesung aus der Apostelgeschichte haben wir gehört: …eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, ... da standen zwei Männer … bei ihnen und sagten:. …was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?

Ganz sicher waren sie wie gelähmt in diesem Moment. Erst der Tod Jesu, alle Hoffnung auf Rettung waren damit verloren. Die Begegnungen mit dem Auferstandenen gaben neue Hoffnung, doch dann wurde er später ihren Blicken entzogen – eine erneute Trennung - die Jesus immer wieder in seinen Reden schon angedeutet hatte -, eine erneute Krise, schon wieder eine neue Phase in ihrem Leben, wie soll man das fassen?!

Die Bibel weiß von Beginn an immer wieder von Krisen zu berichten, aber auch davon, wie die Menschen, wie das Volk Gottes durch die Krisen gegangen ist. Das Volk Israel sieht sich letztendlich immer wieder von Jahwe, von ihrem Gott durch alle Krisen ihrer Lebensgeschichte getragen.

Auch Jesus ist gekommen, um den Menschen Gottes Nähe zu verkünden, ihnen zu versichern, Gott trägt euch durch alle Zeiten, durch Freuden und im Schmerz. Im Evangelium von Christi Himmelfahrt hören wir es noch einmal von Jesus: Und siehe ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Vielleicht ist dies eine Zusage, die auch uns in diesen Tagen Kraft und Mut geben kann.

Jede*r von uns hat persönliche Krisen erlebt und überwunden.  Liebeskummer, Trennung, Verluste, der Tod eines Menschen lösen persönliche Krisen aus. Auch mit Vorahnung erleben wir doch einen Schock. Es ist nichts, wie es war. Nach der Schockstarre durchlebt jede*r verschiedene Phasen der Bewältigung. Momentan betrifft die Krise alle Menschen gleichzeitig in Deutschland, Europa inzwischen weltweit. Mit dem Lockdown kam für alle zur gleichen Zeit der Schock, das Erstarren „nichts ist mehr, wie es war“! Jede*r begann ihren/seinen Eintritt in die Phasen der Verarbeitung. Diese verlaufen nun aber nicht mehr zeitgleich. So wie die Schwere der Krise für jede*n unterschiedlich ist: Jemand in Kurzarbeit, nach Verlust der Arbeit, erlebt sie anders als diejenigen mit mehr Arbeit, wer Kinder im Homeschooling betreut oder ohne Kontakte zu Familie und Freund*innen allein zuhause sitzt. Ob ich voller Zorn bin, den/die Schuldige*n suche oder am Verhandeln bin: „bis dahin noch, dann aber…“ oder mich schon mit den neuen Lebensbedingungen arrangiere, dieses kann jede*r nur für sich sehen und durchleben. Je nach dem werde ich mich von anderen mehr oder weniger verstanden und mit-getragen fühlen.

Vielleicht können Sie gerade das „Licht am Ende des Tunnels“ noch nicht erkennen. Da ist es hilfreich, täglich für einen kleinen Lichtblick zu sorgen: Immer zur gleichen Zeit einen Spaziergang machen, mir gemütlich einen Kaffee/Tee gönnen, mich mit einem Stück Kuchen verwöhnen, ein Buch lesen, in andere Welten abtauchen. Jeden Tag mir etwas Gutes tun, kann mir jede der Phasen etwas erleichtern.

Vielleicht finden Sie Stärkung im täglichen Gebet oder beim Lesen in der Bibel. Vielleicht stärkt Sie auch, was mich trägt, ob ich voller Zuversicht oder deprimiert bin, in Enttäuschung feststecke oder den Schimmer am Horizont ahne:

Gott kennt mich. Er ist vertraut mit all meinen Wegen, ob ich verzweifelt bin oder voller Hoffnung.  Er hat mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke ihm …Ich weiß: Wunderbar sind seine Werke. (Worte aus dem 139. Psalm) Und auch uns, Ihnen und mir gilt die Zusage von Christi Himmelfahrt: Und siehe, Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Gehen wir mit dieser Zuversicht in die neue Woche.

Ihre

Angelika Domdey, Pastoralreferentin Dekanat Bremerhaven

5. Sonntag der Osterzeit

Johannes 14, 1-12

 

Wie schwer ist es doch zu glauben?

 

Schon im Alltag begegnen mir immer wieder Situationen, selbst mit sehr vertrauten Personen, denen ich sage: nein, das kann so nicht sein!

Oder man begegnet mir mit der Reaktion: nein, das stimmt nicht! Obwohl ich sicher weiß, dass es stimmt.

 

Wie schwer also ist es zu glauben – an Gott – zu glauben?

 

Überlegen Sie doch einmal auf einer Skala von 1-10 (10 heißt sehr schwer), wie schwer es ihnen fällt an Gott zu glauben, an sein „Ich bin DA“, daran, dass Jesus als sein Sohn – eins mit dem Vater – in dieser Welt gewesen ist.

Vielleicht verbinden Sie die Frage mit ganz konkreten Situationen. Ich mache die Erfahrung, in unterschiedlichen Lebenssituationen fällt es auch mir mal mehr mal weniger schwer zu glauben.

 

Die Jünger jedenfalls zeigen uns immer wieder: Es ist schwer zu glauben! Nicht nur die Auferstehung Jesu ist kaum zu glauben (siehe zweiter Sonntag der Osterzeit), auch schon vorher, selbst im realen Erleben und Hören seiner Worte ist es schwer Jesus zu glauben.

Zweifel gehören zum Glauben dazu. Glauben an Gott muss immer wieder neu gewonnen, bestärkt, genährt werden. Wie das gehen kann sagt uns Jesus im heutigen Evangelium.

 

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.  .. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch den Vater erkennen.“

Ich bin der Weg, schaut immer wieder auf mein Handeln an- und mit den Menschen, hört auf meine Worte und tut dasselbe auch.

 

Es ist die Wahrheit, von der ich spreche. Ich rede vom wahren Gott, in mir erlebt ihr, wie ihr euch diesen Gott vorstellen könnt. Diesen Gott, der euch zusagt: Ich bin da, diesen Gott, der uns zugesagt hat: „Niemals, so lange die Erde besteht, werden Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht aufhören….  Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch vom Wasser der Flut ausgerottet werden; nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.  Und Gott sprach: …. Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Zeichen des Bundes werden zwischen mir und der Erde.“ (Genesis 8, 22 ff.)

 

Ich bin das Leben – mein Handeln, mein Tun, meine Forderungen rauben nichts von eurem Leben. Ich will euer Leben nicht erschweren oder vernichten. Mein Handeln dient dem Leben, dient deinem Leben. Ich möchte, dass es vielfältig ist wie der Regenbogen ist seiner Farbenvielfalt. Ich will dich aufrichten, dir Mut zu dir selbst schenken; und ich befähige dich anderen davon weiter zu schenken.

So kannst du selber werden zum Weg, zur Wahrheit für die Menschen um dich und beitragen zur Erfahrung eines Lebens in Fülle auch für sie.

4. Sonntag der Osterzeit

Johannes 10, 1-10

 

„…ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“

 

Es ist der letzte Satz aus einem Evangelium voller Bilder.

Dieser letzte Satz aber hat es mir angetan. Zum einen ist es für mich ein Satz, der mein Leben, meine Arbeit durchzieht; ein Satz, der mich immer wieder fragen lässt, ob mein Denken und Handeln wohl zum „Leben in Fülle betragen“ kann.

Zum anderen bekommt dieser Satz für mich gerade seine Bedeutung auf dem Hintergrund dieser Zeit des „Lebens mit unterschiedlichsten Einschränkungen“.

 

Leben in Fülle – Vielleicht mögen Sie selber einen kurzen Moment darüber nachdenken, was das für Sie bedeutet. Was ist für Sie „Leben in Fülle“, wie Jesus es verheißen hat.

 

Es gibt vermutlich Menschen, die sagen würden, gerade jetzt vieles vom „Leben in Fülle“ einbüßen zu müssen:

-       Keine Gottesdienste in der Kirche, kein Gruppenleben

-       Kein gewohnter Lebensrhythmus

-       Nicht einkaufen können

-       Kein Café- oder Restaurantbesuch

-       Keine Konzerte

-       Keine Verabredungen mit Freunden, keine Besuche

 

Einschränkungen, wo immer wir auch hinsehen.

Was davon vermisse ich schmerzlich?

Was von all dem gehört für mich zu einem „Leben in Fülle“ unbedingt dazu?

 

Was, wenn „Leben in Fülle“ aber mehr meint?

Was wenn es vor allem heißt, sich dem Anderen zu zuwenden, so wie Jesus es getan hat.

 

Wenn Jesus sagt: „Ich bin die Tür“, dann heißt das für mich, durch IHN „Leben in Fülle“ erlangen zu können schon im jetzigen Leben und nach dem Tode ohnehin, darauf hoffen wir.

Dann heißt das aber auch, seinem Beispiel folgend, aufgefordert zu sein, selber dazu beizutragen, dass andere etwas vom Leben in Fülle – schon jetzt – erfahren können.

 

Wann konnte ich selber in den letzten Tagen dazu beitragen, weil es mir möglich war, jemandem zu zuhören, jemanden anzurufen, der/die wie ich gerade sehr alleine ist oder auch durch praktische Hilfe?

 

Wann habe ich selber auch in diesen Zeiten etwas von „Leben in Fülle“ erfahren dürfen, weil mir jemand zugehört hat, als ich es brauchte, weil mir jemand geholfen hat oder Zeit für mich hatte?

 

Und wenn „Leben in Fülle“ nicht nur ein „nach außen gerichtet“ ist, sondern auch mein inneres Erleben einbezieht,

 

-       ist dann vielleicht jeder Moment der Dankbarkeit – für unterschiedlichste Dinge in meinem Leben – eine Erfahrung dieser Fülle?

-       ist dann der Moment, in dem ich bewusst die Vielfalt der Natur in diesen Tagen erlebt habe, eine solche Erfahrung von Fülle?

-       ist die Erfahrung frei zu sein in vielen Entscheidungen, in Freiheit leben zu können, ist das eine Erfahrung von dem, was Leben in Fülle heißen kann?

 

Zur Fülle des Lebens gehören sicher viele Dinge, auf die wir derzeit schmerzlich verzichten müssen.

Es gehört sicher neben der Freude im Leben auch die Erfahrung von Trauer und Angst und Unsicherheit dazu.

Es gehört aber sicher auch dazu, dass ich in allem, was geschieht, den Menschen neben mir sehen und ihm beistehen kann.

Es gehört dazu, dass ich von anderen gesehen werde, dass Menschen mir beistehen und nicht zuletzt dass Gott, dass Jesus mir zugesagt hat, mich als guter Hirt zu leiten.

 

Und zu guter Letzt:

„Leben ist das mit der Freude und den Farben –

Nicht das mit dem Ärger und dem Grau“

…so sprang es mir dieser Tage von einer Papiertüte in bunten Farben entgegen.

Mir zauberte dieser Satz ein Lächeln in´s Gesicht. Möge es Ihnen auch so gehen!

 

3. Sonntag der Osterzeit

Johannes 21, 1-14

 

Zurück zum Alltag…

…so wünschen es sich viele Menschen – auch Kirchenleute voll Ungeduld in diesen Tagen.

Doch was soll das für ein Alltag sein?

Zurück zu dem, wie er Anfang März war, mit all den Erfahrungen, die wir bis hierher gemacht haben, mit all dem Leid, das Menschen um uns herum bis heute schon erfahren haben – das scheint mir kaum möglich!

Zurück zum Alltag…

…schauen wir auf das heutige Evangelium, so finden wir hier, im Nachtrag zum eigentlich schon abgeschlossenen Johannesevangelium (Kap. 20 Vers 30)  auch so eine Szene aus dem Alltag der Jünger nach Ostern beschrieben.

Die Jünger, hier werden sieben als Gemeinschaft aufgezählt – Zeichen der Fülle, Zeichen des Zusammengeblieben seins - nehmen recht unspektakulär ihren Alltag wieder auf.

„Ich geh` fischen“ – sagt Petrus recht schlicht und ohne jede Euphorie.

Die anderen schließen sich an. Was auch sonst!

Jesus ist nicht mehr leibhaftig bei ihnen, die Erscheinungen des Auferstandenen haben sie erlebt, ja, aber nun…es ist Leere, es ist Alltag. Tun wir also, was wir können, was wir gelernt haben, wir fischen.

Doch kann der Alltag so ganz „normal“ sein, so wie vor all den Erfahrungen mit Jesus?

Zunächst scheinbar schon. Nicht nur der Arbeitsbeginn, auch das Ergebnis ist ziemlich unspektakulär: leere Netze. Ein Fremder taucht auf. Wider jede Vernunft eines erfahrenen Fischers werfen Sie die Netze noch einmal aus und siehe, sie sind zum Bersten voll. 

„Es ist der Herr!“ – also doch kein Alltag zu wie zuvor!

Die Jünger Jesu bleiben auch vom Auferstandenen in ihrem Alltag begleitet. 

In aller Verzagtheit, in aller Routine ist ER da.

In aller Verzagtheit sorgt ER für sie.

Er hilft zum Erfolgt. Er reicht Brot und Fisch, ja sich selbst zur Stärkung.

Da erkennen Sie IHN.

Diese Begegnung mit dem Auferstandenen ist wie ein Aufleuchten vieler Erinnerungen: bei Lukas gewinnt Jesus die ersten Jünger auch nach einer erfolglosen Fangnacht, er lässt erleben was es heißt zu teilen und so Fülle für alle erlebbar zu machen bei der Speisung der 5000, er erinnert an die Gemeinschafterfahrung bei vielen gemeinsamen Mahlzeiten, bis hin zum letzten Abendmahl.

Sie haben alles erlebt, sie haben all seine Worte gehört, doch es ist so schwer zu glauben.

Es ist so schwer zu vertrauen, dass ER da ist.

Wenn ich in diesen Tagen von all den ungeduldigen Rufen nach Wiederaufnahme der Eucharistiefeiern lese, dann frage ich mich schon, wo all unser Vertrauen ist. Gott ist da, bei jeder und jedem Einzelnen von uns in ihrem / seinem Alltag. ER ist da, wo wir beten - allein oder in häuslicher Gemeinschaft; ER ist da, wo wir das Wort Gottes lesen, meditieren, vielleicht auch teilen. ER ist da, wo wir Gottesdienste hören, erleben, mitfeiern im Fernsehen oder Internet; ER ist auch da, wo wir im Moment öfter mal die Andere/den Anderen anrufen aus Sorge füreinander. In all dem ist ER da, das ist uns zugesagt.

Christus ist auferstanden!

Er ist da inmitten dieser Krise und aller Krisen, die wir gerade so gerne verdrängen: die Krise der Kirche (wer spricht noch vom synodalen Weg?), die Klimakrise, die Krise der ungerechten Verteilung der Güter weltweit, der Kinderarmut und -sterblichkeit, …

ER ist da, auch wenn es schwer zu glauben ist, in all den persönlichen Krisen, die sich gerade auftun: Kurzarbeit, Insolvenzen, psychisches Leiden, Einsamkeit, Gewalt….

 

ER ist da. Sind wir an der Seite der Menschen in Gebet und Tat! Vielleicht tragen wir so dazu bei, dass Gott sich durch unser Beten, aber vor allem durch unser Handeln den Menschen in ihrer Krise offenbart.

Braucht es dazu vordringlich die Wiederaufnahme öffentlicher Gottesdienste? Ich bin da unsicher!

Jesus sagte auch nicht zu Petrus: Nimm deine Arbeit als Fischer wieder auf, sondern „Weide meine Schafe!“ – sei für die anderen da und sorge für sie! (Joh 21, 17b)

Weißer Sonntag

Halleluja – Christus ist erstanden!
Er ist wahrhaft auferstanden!

Der Friede sei mit euch! Heute am Sonntag nach Ostern hören wir, wie der auferstandene Christus sich den Jüngern zeigt. Und – schon sind sie verschwunden, die ersten Auferstehungszeuginnen. Sie sind verschwunden aus den nachösterlichen Berichten der meisten Evangelien (etwas anders bei Matthäus). Sie sind verschwunden aus den Evangelien der Sonntage nach Ostern.

Nun also die Begegnung mit den Jüngern. Wir sprechen dann schnell vom „ungläubigen Thomas“, als sei das sein Alleinstellungsmerkmal – und tun ihm damit Unrecht. Vielleicht heißt es in der revidierten Bibelübersetzung von 2016 über diesen Versen im Johannesevangelium deshalb auch: Eine weitere Erscheinung Jesu und der GLAUBE des Thomas. Dass Christus wahrhaft auferstanden ist, dass er lebt, dass er seinen Jünger*innen begegnet, das hat nicht nur Thomas nicht glauben können. Es lohnt sich zum Einen dazu mal diese Perikopen in den ersten drei Evangelien anzusehen: “einige aber hatten Zweifel, (Matthäus 28,17) „sie glaubten ihnen nicht“ (Markus 16, 11/13), sie hielten das Gerede der Frauen für Geschwätz (Lukas 24, 11). Zum Anderen schauen wir bei Johannes einmal sehr genau hin, dann steht dort zwar, dass Thomas, der bei der ersten Erscheinung des Auferstandenen nicht dabei gewesen war, sagte: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meine Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seit lege, glaube ich nicht. Das macht ihn aber nicht ungläubiger als die anderen, denn auch den anderen zeigt Jesus seine Hände und seine Seite – da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. (in der Begegnung vorher Vers 20)

Keiner der Jünger glaubt also, dass Jesus auferstanden ist und lebt, nur weil es ihm erzählt wurde! Sie alle brauchen einen sichtbaren Beweis und das obwohl sie ihn begleitet haben, ihn gehört und sein Handeln erlebt haben! Und wir? Und ich? Glaube ich fest daran, dass Christus auferstanden ist und lebt – bis heute – mitten unter uns – auch an meiner Seite? Was lässt mich darin sicher sein? Habe ich vielleicht in meinem Leben, wenn ich schon keinen sichtbaren Beweis habe, doch eine Erfahrung gemacht, die mich so fest im Glauben sein lässt? Kenne ich Zweifel und lasse sie zu? Und vor allem: Lässt sich dann nicht auch gut nachvollziehen, warum es heute so vielen Menschen schwer fällt, an die Auferstehung Jesu und damit auch an die eigene Auferstehung zu glauben? Ich finde alle Zweifler sind in guter Gesellschaft mit den Jüngern, den engsten Begleitern Jesu von vor über 2000 Jahren. Vielleicht gelingt es (uns) den Glaubenden ja, so barmherzig mit ihnen umzugehen, wie Jesus es mit seinen Jüngern damals tat. Und all jenen, die fest an die Auferstehung glauben gilt das, was Jesus denen aufgetragen hat, denen er damals als erstes erschienen ist: Geht hin und verkündet ich habe den Herrn gesehen, erzählt den Menschen, was ihr im Glauben erfahren und erkannt habt, seid Zeugen seiner Auferstehung, verkündet es in aller Welt. Halleluja – Christus ist wahrhaft auferstanden. Er lebt mitten unter uns! Der Friede sei mit dir! Der 2. Sonntag nach Ostern ist der „Sonntag der Barmherzigkeit“ Gott hat sich dem Mose gegenüber als ein barmherziger offenbart. Jesus hat Barmherzigkeit nicht nur gefordert sondern auch gelebt. „Barmherzig sein“ ist eine Charaktereigenschaft. Es heißt, sein Herz für die Not der Anderen zu öffnen und zu handeln. Beten wir darum heute in besonderer Weise für alle, die barmherzig handeln…

- an Kranken und Sterbenden, die in diesen Wochen ohne Angehörige sein müssen - in den sozialen Wohngruppen, den Heimen für psychisch Kranke und alte Menschen und versuchen, für Unterbrechungen im Alltag zu sorgen

- als Berater*innen, Therapeut*innen und Seelsorger*innen am Telefon

- und Tüten packen für die Menschen auf den Strassen

- weil sie als junge Menschen spontan die gefährdeten Älteren bei den Ausgaben der Tafeln einspringen - indem sie auch für unbekannte Menschen die Einkäufe erledigen und ein offenes Ohr für ihre Sorgen haben

- in der Politik, weil sie sich um Gelder, Schutzschirme und Strategien der Entspannung für alle bemühen

… und beten wir für uns selbst, dass unser Herz nicht verhärten möge, dass wir unser Herz für die Not – wenn auch nur eines anderen Menschen – öffnen und handeln. Amen

Gedanken zum Ostersonntag

Gedanken zum Ostersonntag

Der Anfang von Kapitel 26 im Matthäusevangelium – ich sprach im letzten Impuls davon - führt mich direkt zu dem Impuls zum Osterfest.

„Ostern ist das Fest der Frauen,“

so schreibt die Dominikanerin Sr. Maria Cordis Feuerstein in dem Buch „bleiben.erheben.wandeln – Frauen machen Kirche“, welches ich Anfang des Jahres vom FrauenTeam geschenkt bekam. Eine Frau salbt Jesus in inniger Berührung für sein Begräbnis (Matthäus 26), Maria steht mit einer anderen Frau und dem Lieblingsjünger unter dem Kreuz, Frauen gehen am frühen Morgen zum Grab, eigentlich um Jesu Leichnam zu salben, ihm einen letzten Liebesdienst zu erweisen und….

Und werden so zu den ersten Zeuginnen der Auferstehung und zu Botinnen der Auferstehung! Sie bekommen den Auftrag, diese „Botschaft vom Leben“ den Jüngern (und Jüngerinnen) weiter zu geben! Von der Bedeutung der Frauen von Beginn an erzählt uns auch das Bild „Acht Frauen“.

Die Künstlerin Corinne Güdemann hat es 2019 für die Kirche St. Stephan in Therwil (CH) geschaffen. Es beeindruckt und freut mich sehr, dass ein solches Kunstwerk extra für eine Kirche geschaffen wurde. Darum möchte ich Ihnen als Impuls zu Ostern dieses Bild und die Erläuterungen von Patrick Scherrer dazu sehr ans Herz legen.

(Quelle: www.bildimpuls.de)

Gedanken zu den bevorstehenden Festtagen Teil I Palmsonntag bis Karsamstag

Gedanken zu den bevorstehenden Festtagen Teil I Palmsonntag bis Karsamstag

Am kommenden Sonntag feiern oder gedenken wir zumindest des Einzugs Jesu in Jerusalem, auch wenn wir uns nicht zum Gottesdienst in den Kirchen treffen können. Im Matthäusevangelium hören wir, wie Jesus auf einer Eselin und ihrem Fohlen mit seinen Jünger(*innen) in die Stadt Jerusalem einzieht.

Wie viele andere jüdische Familien auch, will er das höchste Fest der Juden, das Paschafest, mit seinen Freunden in Jerusalem feiern. Die Menschen begleiten seinen Einzug in die Stadt mit grünen Zweigen, sie breiten Kleider auf den Straßen aus und bejubeln ihn mit „Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn.“ Mit diesem Verhalten zeichnet die begleitende Menge Jesus als König aus, als einen Friedenskönig (Eselin) und zugleich als den erwarteten Messias (Sohn Davids). Ein Freudenfest, ein Tag des Jubels, ein Tag voller Spannung, wie man sie immer vor großen Festen erleben kann. Die Stadt war voller Pilger, die zum Paschafest nach Jerusalem gekommen waren.

Ich bedaure daher jedes Jahr auf´s Neue, dass in der Liturgie danach nur wenige Minuten später sofort das Evangelium vom letzen Abendmahl und der Kreuzigung gelesen wird. Sicher, Jesus wusste, dass er nach dem Fest ausgeliefert werden würde. WIR wissen, dass es bei dem Jubel nicht bleibt. Und die anschließend gelesene Verurteilung veranschaulicht den Umschwung vom „Hosanna“ zum „Kreuzige ihn“ sehr. Ein Blick in das Matthäusevangelium macht aber deutlich, dass es sich lohnt nach der Erzählung vom Einzug in Jerusalem erst einmal anzuhalten. Bis es zum Paschafest – dem letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern kommt – entfaltet der Evangelist Matthäus in fünf Kapiteln sehr ausführlich, was in den Tagen vor dem Fest in Jerusalem geschieht. Es lohnt sich, diese Kapitel (21, 18 – 26, 16) einmal in Ruhe in diesen Tagen der Karwoche zu lesen.

Die Zeit in Jerusalem ist gefüllt mit vielen Auseinandersetzungen zwischen Jesus und den Schriftgelehrten und Pharisäern. Sie stellen Jesus Fragen – ER antwortet mit Gleichnissen und die führenden Kräfte ahnen, dass mit den „Unverständigen und Uneinsichtigen“ in den Gleichnissen sie selber gemeint sind. Das bringt sie immer weiter gegen Jesus auf! Die Jünger versucht Jesus mit Reden und Gleichnissen einfühlsam und mehrfach auf die kommenden Ereignisse, auf seinen nahen Tod, die Auferstehung und ihre Aufgabe, das Erlebte weiter zu verkünden, vorzubereiten. Er versucht sie zu stärken - gegen alle, die sie vom Weg abbringen wollen, er mahnt zur Wachsamkeit und zum Einsatz der Talente, die Jesus ihnen in all der Zeit anvertraut und mitgegeben hat. Erst im Lesen all dieser Gleichnisse erlebt man die Zuspitzung auf der einen Seite und zugleich die Fürsorge Jesu für seine Jünger*innen auf der anderen Seite mit. Bevor in Mt 26, 14 die geplante Auslieferung durch Judas erzählt wird kommt es noch zu einer innigen und zärtlichen Begegnung zwischen Jesus und einer Frau (hier namenlos, bei Johannes ist es Maria, die Schwester der Marta), die ihm das Haupt salbt.

Alabaster, feinstes und äußerst teures Glas zerbricht diese Frau, um Jesus das Öl über sein Haupt zu gießen. Welch Ausdruck von uneingeschränkter Zuneigung, welch Moment der Zärtlichkeit. Sie, diese Frau, so sagt Jesus, sie hat mich für mein Begräbnis gesalbt. Es war genau der richtige Moment, der richtige Zeitpunkt. Dieser Augenblick lässt sich nicht berechnen, nicht vorhersehen, der lässt sich nur erspüren - und den kann ich nur erspüren, wenn ich in Beziehung stehe, wenn ich mich mit dem anderen eng verbunden weiß, so wie diese Frau mit Jesus. Diese zärtliche Begegnung aus dem Augenblick heraus - auf der einen Seite – steht vor dem geplanten und berechnenden Verrat auf der anderen Seite. Diese „Verschwendung“ in Höhe eines damaligen Jahreslohnes steht neben dem Verrat Jesu für gerade mal dreißig Silberlinge, dem Lohn eines Sklaven.

Deutlicher lässt sich der Gegensatz im Miteinander mit Jesus in diesen schweren Tagen wohl kaum ausdrücken. Innige Zuwendung, Jesus ganz nahe sein, weil es um IHN, seine Botschaft und sein Leiden geht oder kalte Berechnung, weil mir der andere egal (geworden) ist, ich nur meinen Vorteil suche. Die Gespräche und Begegnungen dieser Kapitel stellen auch mir die Frage: Wie sehe ich meine Beziehung zu Jesus Christus in diesen Tagen? Wo stehe ich gerade in dieser Beziehung?

Impuls zum 5. Fastensonntag

Evangelium Johannes 11, 1-45

Wenn wir heute am 5. Fastensonntag das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus hören, wird uns vermutlich sofort der Zusammenhang zum bevorstehenden Osterfest aufleuchten. Ein deutlicher Zusammenhang, den wir, die wir lange nach Tod und Auferstehung Jesu leben und glauben vermutlich sofort herstellen.

Jesus vermittelt seinen Freund*innen und den Umstehenden in dieser Begegnung kurz vor seinem Tod noch einmal deutlich einen wichtigen Aspekt des Glaubens, der sich für die Menschen der damaligen Zeit erst später erschließen sollte: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. (V 25). Eines der sieben „Ich-Bin-Worte“ Jesu im Johannesevangelium. Ich möchte noch auf einen anderen Aspekt dieses Evangeliums eingehen, der direkt nach diesen Ausführungen Jesu folgt. Jesus schließt ab mit der Frage an Marta: Glaubst du dieses? Und Marta antwortet mit ihrem großen Glaubensbekenntnis: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. Während uns in den ersten drei Evangelien immer Petrus vorgestellt wird als derjenige, der sich zum Glauben an Jesus als den Messias bekennt, ist es bei Johannes Marta, die uns dieses Glaubensbekenntnis vorlegt.

Damit kommt Marta auch eine andere Rolle und Bedeutung zu als die, die ihr aus der Begegnung mit Jesus im Lukasevangelium immer zugeschrieben wurde: Marta die Sorgende, die das worauf es eigentlich ankommt in der Begegnung mit Jesus nicht wirklich erkennt. Johannes stellt sie in dieser Erzählung für uns als Vorbild im Glauben vor. Damit steht sie direkt neben Petrus. Glauben im Johannesevangelium ist nicht einfach nur eine Haltung, die ich einnehme. Glauben ist immer ein Tun, ein Glaubensakt, eine bewusste Entscheidung.

Petrus und Marta geben uns heutigen Christinnen und Christen mit ihren Glaubensbekenntnissen: Ja, Herr ich glaube, dass du der Messias…, der Christus bist, ein Vorbild und regen uns an, unser eigenes Glaubensbekenntnis immer wieder zu bedenken, es immer wieder als eine bewusste Entscheidung zu erneuern.

Mehr dazu lesen? https://www.bibelwerk.de/fileadmin/verein/Dokumente/Was_wir_bieten/Materialpool/Themen_Personen/Glauben/8_Glauben_als_Bekenntnis_He.pdf

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen

Angelika Domdey

Gebet für diese Tage

Guter Gott – so will ich beten
doch bist du gut in diesen Tagen?
Ein Sturm weht durch die gesamte Welt.
Ein Sturm, der alles durcheinander wirbelt.

Es gibt die, die bis zur Erschöpfung arbeiten,
diejenigen, die Menschen versorgen mit Medizin,
mit sozialer Betreuung in Wohngruppen und Heimen,
mit dem Alltäglichen von Lebensmitteln, bis über Post und Müllentsorgung.

Keine und keiner davon kann ins homeoffice gehen,
vielleicht bleibt nicht einmal Zeit für einen privaten Blick ins Netz.

Es gibt die anderen, die förmlich in Sorgen ersticken,
Kleinstunternehmerinnen und -unternehmer,
alle die in Kurzarbeit gehen mussten,
alle, die schon jetzt ahnen, dass sie am Ende arbeitslos sein werden.

Ein Sturm fegt durch die gesamte Welt, o Gott.
Ein Sturm der alles durcheinander wirbelt.

Siehe DU auf all die Familien, die alleinerziehenden Mütter und Väter.
Siehe auf alle in beengten Wohnungen, auf alle, deren Geduld mit den Kindern
mit dem Partner/der Partnerin viel zu schnell am Ende ist.
Siehe auf alle, deren Ausweg nur noch in Gewalt zu liegen scheint.

Lass UNS sehen, was dieser Sturm aber auch frei legt,
die Hilfsbereitschaft, die Sorge der Lehrer*innen und Erzieher*innen
für die ihnen anvertrauten Familien und Kinder.

Lass uns sehen, was dieser Sturm freilegt,
an unzähligen Formen soziale Kontakte jetzt erst recht zu pflegen,
über Telefon und Post und über all die neuen Medien,
die wir deinen Gaben und dem Forschergeist von Menschen zu verdanken haben.

Lass uns sehen, was dieser Sturm freilegt - nicht erst zuletzt –
lass uns sehen,
das, was aufblüht jeden Tag,
weil DU es geschaffen hast
über alle Zeiten hinweg, durch alle Zeiten hindurch.

Jede Knospe jede zarte Blüte dieses Frühlings will entdeckt werden,
will entdeckt werden von uns.
will entdeckt werden als Zeichen der Hoffnung –
nach jedem Tod
dürfen wir
auf Auferstehung
hoffen.

Amen

Angelika Domdey, Pastoralreferentin
Dekanat Bremerhaven, Frauenseelsorge&Erwachsenebildung